GoogleWatchBlog im Chat-Talk von Politik-Digital.de

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GoogleWatchBlog im Chat-Talk von Politik-Digital.de
4. September 2007 | 3.969 klicks

Als Blogger darf man sich geehrt fühlen, wenn man mit seinem Blog so populär geworden ist, das grosse Zeitungen und Online Magazine wie heise.de anfangen auf einem aufmerksam zu werden bzw. parteiunabhängige Informations- und Kommunikationsplattformen wie Politik-Digital.de eine Einladung zum Chat-Talk verschicken. Solch eine Ehrung ist auch dem GoogleWatchBlog zu Teil geworden, welcher zum Chat-Talk von Politik-Digital.de eingeladen wurde und als aus meiner Sicht populärster deutscher Google Blog, Fragen zur Suchmaschine Google und dem GoogleWatchBlog beantwortet. Der GoogleWatchBlog wurde dabei von Stefan Zwierlein vertreten, welcher neben Jens Minor einer der Hauptblogger des GWB ist.

Der Chat-Talk läuft aktuell noch, obwohl er ja nur 16:00 Uhr bis 17:00 Uhr gehen sollte. Mal schauen wann Ende ist und später noch das Chatlog zum Talk.

Update-Nachtrag:
Nachdem Stefan Zwierlein masslos überzogen hat die angesetzte Stunde :), hier nun der Chat-Log von heute Nachmittag, für alle die, welche dem Chat nicht Live beiwohnen konnten. Das Original Chatlog, sowie Links zu weiteren interessanten Chat-Talks auf Politik-Digital.de, findet man ebenso auf

Chatlog zum Chat-Talk mit den Machern des GoogleWatchBlog:

Moderator: Hallo und herzlich willkommen zur Blogsprechstunde, dem Chat von politik-digital.de und den Blogpiloten. Heute ist Stefan Zwierlein vom Google Watch Blog unser Gast.

Stefan Zwierlein: Hallo, willkommen zum Chat über den GoogleWatchBlog.

Moderator: Hallo Stefan, dann kann es ja jetzt losgehen.Unsere Nutzer konnten bereits im Vorfeld Fragen stellen und darüber abstimmen, welche heute den Chat eröffnen. Hier ist die erste:

Karsten: Wie lange gibt es das GoogleWatchBlog eigentlich schon und wie viele Leute schreiben dafür?

Stefan Zwierlein: Den Blog gibt es seit dem 27. Oktober 2005, ein Tag zuvor wurde die Software installiert und alles eingerichtet. Autoren sind eigentlich nur Jens Minor und ich, obwohl auch Stefan More und Michael Mayr noch Schreibzugriff haben. Zu unserem Team sind aber in den letzten zwei Jahren auch immer mehr hinzugestoßen. Manche, wie ich, sind regelmäßig dabei, andere beteiligen sich nur punktuell. Jeder Leser kann aber auch Artikel vorschlagen oder gleich selbst schreiben und einstellen. Dies wird von der Community zunehmend genutzt. Die Interaktivität geht also über die Kommentare und Beiträge in unserem Wiki hinaus. Wenn ihr also was Neues habt, stellt es doch einfach bei uns ein:

Moderator: Ein paar Nutzer scheinen sich zu wundern, wo Jens Minor, der Gründer des Google Watch Blogs, heute ist:

stefan2904: Wo ist Jens?

Stefan Zwierlein: Jens ist leider beschäftigt und konnte den Termin heute nicht wahrnehmen. Aber ich habe seine Antworten und spreche daher auch in seinem Namen.

Kaspar Hauser: Seid ihr eigentlich pro Google, contra Google oder neutral?

Stefan Zwierlein: Da wir uns als große Google-Fans ansehen, sind wir natürlich eher pro eingestellt und wir freuen uns über jede Neuigkeit und jeden Vorteil, den Google uns bietet. Es ist aber nicht so, dass wir alles versuchen, schön zu reden, was Google tut – wir sind ja keine Pressesprecher 😉 Es würde also nichts geben, was wir nicht schreiben würden, um irgendjemanden zu schonen. Wir beachten aber sehr wohl die Fairness, die man dabei haben sollte. Aber bad news sind ja bekanntlich auch good news. Tatsächlich hat es auch noch kaum Konfliktfälle gegeben.

calexico: Woher bekommt ihr die ganzen Informationen für das WatchBlog? Und wie viel Zeit geht für die Google-Beobachtung drauf?

Stefan Zwierlein: Das Zauberwort heißt Feedreader. Die meisten Informationen stammen von den bekannten amerikanischen Google-Blogs, teilweise entdecken wir die Dinge aber auch selbst oder werden per Mail hingewiesen. Wie das mit Hobbys so ist, verbringt man sicherlich viel mehr Zeit damit, als man denkt. Da ich mich aber auch im Studium mit dem Thema beschäftige, lässt sich das nicht so klar abgrenzen. Das ist ein fließender Übergang. Täglich ist es aber im Durchschnitt bestimmt eine Stunde. Bei Jens gehen sogar um die zwei bis drei Stunden am Tag dafür drauf.

hebbet: Ich weiß, dass Google es dem Blog erlaubt, diesen GoogleWatchBlog zu nennen. Hat Google schon mal angefragt ob sie diesen Blog übernehmen dürfen?

Stefan Zwierlein: Wir haben zwar Kontakt mit dem Pressesprecher, aber ein solch direktes Feedback haben wir noch nicht bekommen. Da hält sich das Unternehmen stark zurück. Grundregel des Unternehmens war es ja immer, gar keine eigene Werbung zu machen. Daher würde das auch nicht zu Google passen, aber wir wissen, dass viele Googler den Blog lesen. Siehe dazu auch hier .

hmmmm: Wie viel Einfluss kann ein WatchBlog eigentlich haben?

Stefan Zwierlein: Wir sind überrascht von dem großen Interesse, das der Blog hat. Die Größenordnung der Zugriffe ist mit denen auf Blogs mit wesentlich breiterer thematischer Fächerung vergleichbar. Doch unsere Leser sind nah am Thema, Google-Mitarbeiter, Berater im SEO Geschäft, und viele technikbegeisterte Google-Fans. Das sind Abonnenten die bleiben, weil sie auch noch in Zukunft über die News rund um Suchmaschinen und all die neuen Dienste informiert werden wollen. Ich denke, dass ein WatchBlog die BILD-Zeitung für seinen Bereich sein kann. Das ist nicht im negativen Sinne gemeint, aber ein WatchBlog kann die Meinung seiner Leser schon sehr bilden. Die meisten unserer Leser informieren sich noch über andere Quellen über Google – einige vertrauen aber 100-prozentig auf uns – und diese kann man natürlich leicht beeinflussen. Welchen Einfluss ein WatchBlog auf das beobachtete Unternehmen hat, ist schwer zu sagen – wir meinen eigentlich gar keinen. Das Unternehmen wird natürlich aufpassen, dass es nicht komplett zerrissen wird. Aber ich denke, so ein WatchBlog kann auch nützlich sein, um eigene Fehler zu entdecken und zu erfahren, was die Kunden denken und möchten. Die Wirkung nach innen ist vielleicht sogar größer als die Werbewirkung, da bei Google dafür ja ohnehin die Qualität der Dienste da ist.

nikberlin: Wenn man Euren Blog durchgeht, stellt man fest, dass Ihr sehr stark über die Produkte schreibt und redet. In der Community gibt es ja mittlerweile eine ziemliche Diskussion über die Rolle von Google, in Deutschland lahmt die ganze Diskussion ja etwas, ich nenne nur die Stichworte Copyright, Privacy und auch technologische Fragen. Habt ihr all diese Fragen auf der Agenda oder interessieren die euch gar nicht?

Stefan Zwierlein: Uns interessieren vor allem die technischen Innovationen. Die ethischen Folgen, die daraus entstehen, werden intensiv von der Community in den Kommentaren ausdiskutiert, die bei uns ein Forum für solche Themen bieten.

airjump: Hallo, das GoogleWatchBlog ist für mich nicht mehr wegzudenken. Doch warum mit Werbung?

Stefan Zwierlein: Das hat zwei wesentliche Gründe: Zum einen haben wir eine eigene Serverlösung, die nicht kostenlos ist, wie z.B. Blogger, weil wir auch selbst technische Spielereien einbauen wollen, die es bei solchen Diensten (noch) nicht gibt. Das ist also sehr nützlich, um das ganze kostenneutral zu halten, ohne dass es durch fehlende Relevanz störend wird. Zum anderen nutzen wir einen der erfolgreichsten Google-Dienste, nämlich AdSense. Wenn wir täglich darüber berichten, wollen wir uns damit auskennen und müssen diese Dienste natürlich auch testen.

pängpäng: Wie steht ihr zu dem neuen aufklärerischen Impetus von googlemap, sei es in Sachen Darfur, Tankerkatastrophen o.ä.?

Stefan Zwierlein: Ich denke, da nutzt Google den Entdeckerdrang vieler Leute aus, um den Dienst mit Dingen, die in der Welt einfach nur da sind, interessant zu machen. Wenn man bedenkt, wie viele Blogger über ziemlich banale Muster auf Kornfeldern oder ähnliches berichten.
Wir würden vom Thema abkommen, wenn wir das auch alles noch mit aufnehmen würden.
Wenn natürlich etwas heraussticht und es eine Relevanz zu Google oder der Welt der Suchmaschinen und Softwarefirmen hat, sind wir wieder dabei. Da kann es sich dann auch um Microsoft, Yahoo oder Ask.com handeln.

Moderator: Zur Entwicklung von Google:

seekXL: Bereitet Dir die rasante Entwicklung von Google für die Zukunft Angst, gerade im Hinblick auf die Menge an Daten, welche man im Laufe der Zeit über Dich gesammelt hat?
Vielleicht nicht „Angst“, aber „Sorge“, was in den falschen Händen damit angestellt werden kann?

Stefan Zwierlein: Angst bisher noch nicht, aber Respekt und Vorsicht. Mittlerweile gibt es schon Momente, in denen ich mir denke „Mein Gott, das habe ich Google auch schon anvertraut…“. Irgendwie hat Google, und das wohl nicht nur bei mir, den Stand eines sehr guten Freundes, dem man jedes Geheimnis erzählt und darauf vertraut, dass er es nicht weiter erzählen wird. Und Google gibt mir dafür sogar noch jede Menge Vorteile. Wir haben beide keine Sekunde gezögert, die Web History – also im Grunde die letzte Privatsphäre im Internet – zu aktivieren und Google mitzuteilen, wo wir gerade genau surfen. Allerdings halte ich persönlich Google bei sicherheitskritischen Anwendungen heraus. Also da gibt es schon noch Ausnahmen. Problematisch wird es in der Tat, wenn man davon betroffen ist, ohne davon etwas zu wissen. Es gibt einige Google-Dienste, bei denen das inzwischen der Fall ist.

BigBummi: Zahlreiche Anbieter kostenloser Leistungen sind aus dem Web verschwunden oder in den kostenpflichtigen Bereich gewechselt. Trägt sich Google selber und kann deshalb ihre bisher kostenlose Dienst auch weiterhin kostenlos halten?

Stefan Zwierlein: Die Strategie, bestimmte Dienste kostenlos anzubieten, ist einfach eine Taktik, mit einem Vorsprung an den Markt zu gehen. Auch Microsoft hat z.B. in der Anfangszeit Produkte sehr günstig angeboten, um eine marktbeherrschende Stellung zu bekommen. Inzwischen wird auch hier nicht mehr alles verschleudert. Wir können beobachten, dass auch Google zunehmend Premium-Dienste oder auch einfach nur mehr Speicherplatz zu Aufpreisen anbietet. Ich denke, das wird noch zunehmen, aber der kostenlose Dienst zum Einstieg wird meiner Ansicht nach erhalten bleiben.

teichtier: Verleger DuMont Schütte meinte in der FAZ, Google wäre in 10 Jahren tot. Wunschdenken eines Verlegers oder wird Google wirklich irgendwann am Ende sein?

Stefan Zwierlein: Kein Unternehmen existiert ewig – da wird auch Google keine Ausnahme sein. Genauso wie Google damals wird es auch in Zukunft ein Unternehmen geben, dass plötzlich alles bis dahin Dagewesene in den Schatten stellt. Aber das passiert eben immer wieder in etwas unterschiedlichen Bereichen. Bei Microsoft waren es Betriebssysteme, bei Google Suchmaschinen oder bei Apple nun Handys. Doch wir haben uns für Google als Aufhänger entschieden, weil wir eben gerade nicht glauben, dass es sich nur um eine kurzfristige Erscheinung handelt. Die Google Mission ist für eine sehr lange Zeit, in der Größenordnung von einem Jahrhundert und länger, angelegt. Ich persönlich halte das für realistisch. Doch das wird das Unternehmen natürlich niemals alleine schaffen. Bestimmt wird es andere geben, die da mitmischen wollen, aber das macht das ganze ja nur spannender. Auch über die anderen Player in dem Bereich berichten wir hin und wieder. Microsoft ist auch nicht weg vom Fenster, nur weil sich in ganz anderen Bereichen Unternehmen wie Apple oder Google Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit verschaffen. Zur Erinnerung: Bill Gates hatte die Vision von einem PC auf jedem Schreibtisch. Und da sind wir heute. Zumindest in den Industrienationen. Und ganz nebenbei: 95 Prozent unserer Leser verwenden Microsoft Windows. Doch nun geht es auch darum, diese Technologie einzusetzen und die Information der Welt nutzbar zu machen. Das finden wir, ist ein spannendes Thema und eine vielversprechende Mission.

franke: Google hat ja am 07.09.2007 Geburtstag und wird 9 Jahre alt. Ist schon was bekannt, ob es etwas Besonderes für die User gibt?

Stefan Zwierlein: Vielleicht das GooglePhone? 😉
Zudem sind ja auch noch weitere Dienste in der Pipeline, von denen wir im Gegensatz dazu mit großer Sicherheit wissen, dass sie kommen werden. Dazu gehört der Dienst für Online-Präsentationen, sowie ein Google-Dienst für Wikis. Die Kernfelder von Google sind ja Suche, Werbung und Anwendungen. Es gibt momentan keinen Anlass zu vermuten, dass sich das Unternehmen selbst in andere Bereiche wie z.B. Hardwareproduktion über das bisherige Maß hinaus entwickeln wird. Rund um das Thema GooglePhone gibt es nur Halbwissen – nur Vermutungen. Ich denke aber, dass, wenn es das eines Tages geben sollte, doch eher als Softwareplattform für all die neuen mobilen Google-Dienste wie Google Maps, das neue Bezahlsystem GPay und andere Killer-Applikationen dient, die es gegenüber „herkömmlichen“ Handys mit sich bringt. Dass man auf diesem Markt mit ein paar neuen Features und Innovationen etwas reißen kann, hat Apple ja schon eindrucksvoll gezeigt. Der Schlüssel dazu werden vor allem Kooperationen und Allianzen mit anderen Firmen sein. Oder vielleicht steht ja auch wieder eine kleine Milliardenakquisition an 😉 Viel Geld für Mobilfunklizenzen will ja Google nebenbei auch noch ausgeben.

Stefan More: Wird es einmal ein GWB-Community-Treffen oder ein ähnliches Event geben?

Stefan Zwierlein: Da alle Beteiligten über Deutschland, Europa und die Welt verteilt sind, dürfte das ziemlich schwierig werden. Aber in der Tat gab es bereits einige kleinere Bloggertreffen und andere Events, wie das Podcamp, an denen wir bereits teilgenommen haben. Aber das ist eine interessante Idee, auf den Vorschlag kommen wir vielleicht demnächst zurück 😉

Moderator: Zum Schluss gibt´s noch Leser-Komplimente:

Gmail: Hallo Stefan, ich wollte nur sagen, ich finde deinen Blog super und lese fast jeden Tag ohne aktiv mitzureden! Aber Kompliment! Sehr informativ! Gruß aus der Schweiz.

Moderator: Das war die Blogsprechstunde für heute. Danke an die Nutzer für die vielen Fragen und natürlich danke an Stefan Zwierlein für die interessanten Einblicke. Das Transkript dieses Chats finden Sie in Kürze bei politik-digital.de und den Blogpiloten. Stefan, noch ein Schlusswort?

Stefan Zwierlein: Es war sehr spannend auf Eure Fragen zu antworten und vielen Dank für die Einladung zu dieser Gelegenheit. Vielleicht lässt sich ja die Diskussion demnächst auf einem Community-Treffen, wie vorgeschlagen, fortsetzen.

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